Beschwerden an der Lendenwirbelsäule im Handballsport
Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden im Handballsport. Besonders die Lendenwirbelsäule (LWS) ist durch die dynamischen und körperintensiven Bewegungsabläufe stark belastet. Wer Schmerzen im unteren Rücken frühzeitig ernst nimmt, kann chronische Beschwerden vermeiden und langfristig leistungsfähig bleiben.
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Ursachen: Warum Rückenschmerzen beim Handball entstehen
Die Lendenwirbelsäule ist das Bewegungszentrum zwischen Ober- und Unterkörper und ist der untere Teilabschnitt unserer gesamten Wirbelsäule. Die Wirbelsäule ermöglicht uns über ein filigranes Zusammenspiel zwischen Wirbelkörpern, Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bandscheiben den aufrechten Gang im Raum. Gleichzeitig schützt sie aber auch unser Rückenmark und zwischen den Wirbelkörpern treten jeweils die Nervenwurzeln aus, die Information vom Gehirn zu den jeweiligen Körperabschnitten leitet. Sie überträgt also nicht nur Kraft, stabilisiert und gleicht Bewegungen aus, sondern sorgt auch für die Sicherheit unseres Rückenmarkes.
Im Handball wirken auf sie immense Dreh-, Beuge- und Stoßbelastungen, die bei unzureichender Rumpfstabilität oder Technik zu Überlastungen führen können.
Häufige Ursachen sind:
- Muskuläre Dysbalancen zwischen Bauch- und Rückenmuskulatur
- Ungenügende Rumpfstabilität („Core Stability“)
- Fehlerhafte Wurftechnik oder Körperhaltung
- Einseitige Belastung durch wiederholte Bewegungsabläufe (z. B. Wurfarmdominanz)
- Harte Bodenbeläge und abrupte Landungen nach Sprüngen
- Überlastung oder fehlende Regeneration
Auch Bandscheibenreizungen, Blockierungen der kleinen Wirbelgelenke oder Reizungen der Kreuz-Darmbein-Gelenke (ISG) können zu Schmerzen führen.
Symptome: Woran man LWS-Beschwerden erkennt
Typische Anzeichen sind:
- Schmerzen im unteren Rücken, die bei Belastung oder nach dem Training auftreten
- Muskelverspannungen und eingeschränkte Beweglichkeit
- Ausstrahlende Schmerzen in Gesäß oder Oberschenkel
- Verstärkung bei Vorbeugen, Drehen oder Heben
- Bei Bedrängungen des Rückenmarks oder der austretenden Nervenwurzeln kann es zu neurologischen Beschwerden, wie Taubheit, Kribbeln oder Schwäche der Beine kommen
Bei neurologischen Symptomen wie, etwa Kribbeln, Taubheit oder Schwäche in den Beinen – ist ärztliche Abklärung dringend erforderlich.
Diagnostik: Ursachen gezielt erkennen
Die Diagnose beinhaltet zunächst eine gründliche klinische Untersuchung, bei der Haltung, Beweglichkeit und Schmerzpunkte geprüft werden.
Je nach Befund können weitere Untersuchungen notwendig sein:
- Röntgen zur Beurteilung der Wirbelsäulenstatik
- MRT (Magnetresonanztomographie) bei Verdacht auf Bandscheiben- oder Weichteilveränderungen
- Funktionelle Analysen der Rumpf- und Beckenmuskulatur
Ziel ist es, die konkrete Schmerzquelle zu identifizieren – ob muskulär, gelenkbezogen oder bandscheibenbedingt.
Therapie: Bewegung statt Schonung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Beschwerden.
In den meisten Fällen ist keine Operation erforderlich – entscheidend ist eine konservative, aktive Therapie.
Akutphase: +
- Kurzzeitige Entlastung, ggf. Wärmeanwendungen oder manuelle Therapie
- Schmerz- und Entzündungshemmung durch Medikamente oder Injektionen
- Physiotherapie zur Mobilisierung und Lockerung verspannter Muskulatur
Aufbauphase:
- Gezieltes Training der Rumpfmuskulatur (Core-Stability-Training)
- Kräftigungs- und Dehnübungen für Rücken, Bauch, Hüfte und Beine
- Korrektur der Wurf- und Landetechnik durch sportphysiotherapeutische Begleitung
Ergänzend hilfreich:
- Wärmetherapie, Faszien-Training, Elektrotherapie oder Aquagymnastik
- Temporäre Anpassung des Trainingsumfangs zur Entlastung
Nachsorge und Prävention
Nach erfolgreicher Behandlung gilt: Aktiv bleiben!
Die beste Rückenvorsorge ist eine starke, flexible Rumpfmuskulatur.
Deshalb gilt:
- Regelmäßiges Stabilisations- und Gleichgewichtstraining
- Ausreichendes Aufwärmen und Dehnen vor jedem Training
- Ausgleichstraining für einseitige Bewegungen (z. B. Gegendrehungen, Mobilisation)
- Ergonomische Alltagsbewegungen – auch außerhalb des Sports
- Regeneration und Schlaf als wichtiger Teil der Leistungsfähigkeit
So können Rückenschmerzen nachhaltig vermieden und die Wirbelsäule entlastet werden.
Beschwerden an der Lendenwirbelsäule sind im Handballsport häufig, aber gut behandel- und vermeidbar.
Mit gezieltem Muskelaufbau, bewusster Technik und ausreichender Regeneration lässt sich die Wirbelsäule langfristig schützen. Wer Beschwerden ernst nimmt und frühzeitig reagiert, bleibt beweglich, leistungsstark und schmerzfrei im Spiel.