Achillessehnenriss oder -teilriss im Handballsport
Ein plötzlicher Schmerz, ein schlagartiges Gefühl sowie knallendes Geräusch im Unterschenkel – und das Spiel ist vorbei: Eine Achillessehnenruptur (Riss) oder Teilruptur (Teilriss) zählt zu den häufigsten schweren Verletzungen im Handballsport. Sie betrifft vor allem sportlich aktive Männer zwischen 30 und 50 Jahren, kann aber grundsätzlich jede oder jeden treffen.
Eine frühzeitige Diagnose und individuell abgestimmte Therapie sind entscheidend, um die volle Funktion und Stabilität der Sehne wiederherzustellen und langfristige Einschränkungen zu vermeiden.
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Ursachen: Wie kommt es zur Achillessehnenruptur?
Die Achillessehne ist die stärkste Sehne des menschlichen Körpers. Sie verbindet die Wadenmuskulatur (Musculus gastrocnemius und soleus) mit dem Fersenbein (Calcaneus) und überträgt enorme Kräfte beim Springen, Sprinten und Abdrücken und sorgt dafür, dass wir uns auf die Zehenspitzen stellen können.
Im Handball wirken bei schnellen Richtungswechseln, abrupten Stopps und plötzlichen Sprüngen enorme Zugkräfte auf die Sehne. Eine Ruptur entsteht meist durch:
- Plötzliche, maximale Belastung (z. B. Absprung oder Landung)
- Vorbestehende Vorschädigung der Sehne durch Überlastung oder Mikroverletzungen
- Unzureichendes Aufwärmen oder Dehnen
- Muskelverkürzungen oder Fehlbelastungen
- Vorangegangene Sehnenreizungen (Tendopathien)
- Übermäßige Belastung nach Trainingspause („Weekend Warrior-Effekt“)
Symptome: Typische Anzeichen einer Achillessehnen- (Teil-)Ruptur
Die Symptome treten meist plötzlich und deutlich auf:
- Ein stechender Schmerz im Bereich der Achillessehne, häufig begleitet von einem hörbaren „Schnalzen“
- Gefühl, als hätte man einen Tritt in die Wade bekommen
- Schwellung und Bluterguss im Bereich oberhalb der Ferse
- Schwäche beim Abrollen und Abdrücken des Fußes
- Eingeschränkte Beweglichkeit oder Hängenbleiben des Fußes in Spitzfußstellung
Bei einer Teilruptur sind die Schmerzen oft weniger stark ausgeprägt, die Funktion ist jedoch ebenfalls eingeschränkt.
Diagnostik: So wird die Achillessehnenverletzung festgestellt
Die Diagnose erfolgt meist schon durch die klinische Untersuchung:
- Thompson-Test: Beim Drücken der Wadenmuskulatur fehlt die typische Fußbewegung – ein sicheres Zeichen für eine Ruptur.
- Tastbefund: Eine tastbare Lücke in der Sehne etwa 2–6 cm oberhalb der Ferse.
Zur Bestätigung und Beurteilung des Rissausmaßes wird eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) durchgeführt. In unklaren Fällen oder bei Teilrupturen kann zusätzlich eine MRT-Untersuchung sinnvoll sein.
Therapie: Konservativ oder operativ
Die Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Verletzung, dem Aktivitätsniveau und dem Alter der betroffenen Person.
Konservative Therapie:
Bei Teilrupturen oder bei vollständigen, aber stabilen Rissen kann eine funktionelle konservative Therapie erfolgen.
- Ruhigstellung in einer speziellen Orthese (Spitzfußstellung) über mehrere Wochen
- Anschließend schrittweise funktionelle Belastungssteigerung mit Physiotherapie
- Vorteil: Kein Operationsrisiko, geringere Komplikationsrate bei älteren oder weniger aktiven Patientinnen und Patienten
Operative Therapie:
Bei sportlich aktiven Personen, insbesondere im Handball, wird häufig eine operative Naht der Sehne empfohlen.
- Ziel: Wiederherstellung der optimalen Sehnenlänge und -spannung
- Postoperativ: Ruhigstellung und anschließend physiotherapeutische Nachbehandlung
- Vorteil: Niedrigeres Risiko für erneute Rupturen (Re-Rupturen), bessere Kraftentwicklung
Nachsorge und Rehabilitation
Die Rehabilitation ist entscheidend für den langfristigen Erfolg:
- Frühmobilisation unter Schutz der Orthese nach ärztlicher Vorgabe
- Physiotherapie mit Fokus auf Beweglichkeit, Muskelaufbau und Koordination
- Langsame Steigerung der Belastung über Wochen hinweg
- Lauf- und Sprungtraining frühestens nach 3–4 Monaten
- Volle sportliche Belastbarkeit meist nach 6–9 Monaten
Wichtig ist Geduld – eine zu frühe Rückkehr ins Training erhöht das Risiko für erneute Verletzungen.
Zur Prävention gehören:
- Regelmäßiges Dehnen der Wadenmuskulatur
- Kräftigungsübungen für Bein- und Fußmuskulatur
- Ausreichendes Aufwärmen vor jedem Training
- Dosierte Trainingssteigerung nach Pausen
Fazit
Eine Achillessehnenruptur ist im Handball eine ernstzunehmende, aber gut behandelbare Verletzung.
Mit schneller Diagnose, individuell angepasster Therapie und konsequenter Rehabilitation lässt sich die volle Belastbarkeit meist wieder erreichen. Geduld und gezieltes Training sind der Schlüssel, um sicher und leistungsfähig aufs Spielfeld zurückzukehren.